Auf den Spuren der Katharina von Bora

 Katharina von Bora „Was wäre die Reformation ohne die Frauen?“ – Mit dieser Frage und mit einem Gottesdienst zum Reformationsfest 2010 fing alles an. Auf der Suche nach den Frauen der Reformation stieß ich sehr bald auf Katharina von Bora, die Frau an der Seite des Reformators Martin Luther. In einem Team von fünf Frauen befassten wir uns mit der Lutherin und machten uns daran, einen Gottesdienst zum Reformationsfest zu gestalten. Nach ein paar Eckdaten zur Adligen, die schon mit 16 Jahren Nonne wurde, gestalteten wir im Verkündigungsteil ein dreiteiliges Interview mit der Frau des Reformators. Wir versuchten herauszufinden, wie es ihr im Kloster ergangen sei und was sie zur Flucht veranlasst hat, wie sie ihr Leben als Leiterin des großen Haushalts im „schwarzen Kloster“ (ehemaliges Augustinerkloster, in dem Martin Luther lebte) gestaltete und wie sie als Witwe in Kriegs- und Pestzeiten die letzten Jahre ihres Lebens bewältigte. Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein Interesse an dem historischen Ort, an der Lutherstadt Wittenberg. Mit zehn Frauen machten uns auf, um die „Spuren der Katharina von Bora“ zu erkunden. Dank einer hervorragenden Führung entdeckten wir zunächst den Lebens- und Wirkungsort der Familie Luther. Im ehemaligen Augustinerkloster sorgte Käthe Luther für das Wohl des Reformators, für ihre Kinder, für verwaiste Verwandte und für die vielen Gäste, die die befreiende Botschaft des Evangeliums kennenlernen wollten. In diesen Räumen lauschten Studenten, Anhänger der Reformation und Bekannte den berühmten Tischreden. Käthe Luther hatte für die Mahlzeit gesorgt und sich vermutlich oft zu den Zuhörern gesellt. Ob sie dann und wann mitdiskutierte? – Es wird vermutet. Katharina entwickelte sich zu einer emanzipierten, mutigen und durchsetzungsfähigen Frau, die unternehmerisch ihren Haushalt vergrößerte, um die vielen Gäste zu versorgen. Martin Luther zitiert ihre Selbstbeschreibung: „Ich muss mich in sieben Teile zerlegen, an sieben Orten zugleich sein und siebenerlei Ämter verwalten. Ich bin erstens Ackerbürgerin, zweitens Bäuerin, drittens Köchin, viertens Kuhmagd, fünftens Gärtnerin, sechstens Winzerin und Almosengeberin für Bettler in Wittenberg, siebentens aber bin ich Doktorissa, die sich ihres berühmten Gatten würdig zeigen und mit 200 Gulden Jahresgehalt viele Gäste bewirten soll.“ Im Lutherhaus befindet sich jetzt das reformationsgeschichtliche Museum Natürlich wurden uns auch die berühmten Kirchen gezeigt: die Stadtkirche mit dem Reformationsaltar von Lucas Cranach und die Schlosskirche mit der berühmten Tür, an die Martin Luther 1517 die 95 Thesen anschlug und die Reformation einleitete. Jede Teilnehmerin hatte auch Zeit, den eigenen Interessen und Neigungen nachzugehen. Da wir in einem Hotel mitten in der Stadt unterkamen, war das gut möglich. – Uns blieben Zeit und Raum für ein Orgelkonzert, für ein „Essen mit Luthers“ (Speisen des 16.Jahrhunderts und Tischreden Martin Luthers mit Kommentaren Katharina von Boras – nach Christine Brückner), für das Maiblumenfest und manch andere Attraktion Wittenbergs. In unserem Hotel konnten wir uns auch in der Gruppe treffen. Das gab uns die Chance, Impressionen von Katharina von Bora zu vertiefen und uns auch anderen Frauen der Reformation zuzuwenden, z.B. der „Kirchenmutter“ Katharina Zell– so die Selbstbezeichnung der Frau des Straßburger Priesters Matthias Schütz. Im Internet sind vertiefende Informationen über Frauen der Reformation zu finden. Gott sei Dank gab es diese mutigen und gebildeten Frauen, Frauen, die es wagten Grenzen zu überschreiten und mit der biblischen Botschaft im Rücken aufzustehen, das Wort zu ergreifen, gegen die Mächtigen (kirchlich und politisch) zu protestieren. Nach dem Gottesdienst in der Schlosskirche eilten wir am Sonntag zu einem Vortrag von Altbischof Axel Noack: „Freiheit als Freiraum. Kirche in der DDR“. Wittenberg ist eine Reise wert, besonders auch mit dem Fokus „Was wäre die Reformation ohne die Frauen?“ – In der Lutherstadt hinterließen auch Barbara Cranach, Katharina Melanchthon und Elisabeth Cruziger (Liederdichterin der Reformation) ihre Spuren.
Helga Westermann
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